Was ist Amateurfunk

Amateurfunk: Eine Einführung

Amateurfunk ist ein weltweites Kommunikationsmedium, das von Funkamateuren zu nichtkommerziellen Zwecken genutzt wird. Dabei können Sprach-, Daten- und Bildübertragungen erfolgen. Der Amateurfunk spielt eine wichtige Rolle in der technologischen Entwicklung, Notfallkommunikation und internationalen Völkerverständigung.


Die Entwicklung des Amateurfunks

  • Frühe Anfänge (1900-1920): Bereits kurz nach der Entdeckung der Funkwellen begannen Experimentatoren mit drahtloser Kommunikation.
  • 1920er-1930er: Internationale Amateurfunkverbände wurden gegründet, und erste Frequenzbereiche wurden speziell für Funkamateure reserviert.
  • Zweiter Weltkrieg: Amateurfunk wurde in vielen Ländern vorübergehend verboten, nach dem Krieg erlebte er jedoch einen neuen Aufschwung.
  • 1950er-1970er: Fortschritte in der Technik führten zur Einführung neuer Modulationsarten wie SSB (Single Sideband) und FM.
  • 1980er-heute: Digitalisierung ermöglichte neue Übertragungsmethoden wie APRS (Automatic Packet Reporting System) und DMR (Digital Mobile Radio).
  • Zukunft: Integration mit dem Internet und moderne Software-Defined-Radio-Technologien erweitern die Einsatzmöglichkeiten.

Einsatzszenarien des Amateurfunks

  1. Notfallkommunikation:
    • Bereitstellung von Funkverbindungen bei Naturkatastrophen und technischen Ausfällen.
    • Kooperation mit Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz.
  2. Technologische Forschung und Entwicklung:
    • Erprobung neuer Funktechnologien und Antennensysteme.
    • Entwicklung eigener Sender, Empfänger und Softwarelösungen.
  3. Internationale Kommunikation:
    • Kontakt zu Funkamateuren weltweit ohne Internet oder Telefonnetz.
    • Nutzung von Kurzwelle zur Überwindung großer Distanzen.
  4. Satelliten- und Weltraumkommunikation:
    • Nutzung von Amateurfunksatelliten (z. B. OSCAR-Satelliten).
    • Kommunikation mit der Internationalen Raumstation (ISS).
  5. Funkwettbewerbe und Diplome:
    • Teilnahme an weltweiten Wettbewerben wie dem CQ World Wide Contest.
    • Erhalt von Diplomen für besondere Verbindungen (z. B. DXCC für 100 verschiedene Länder).
  6. Bildung und Ausbildung:
    • Vermittlung von Grundlagen der Funktechnik und Elektrotechnik.
    • Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten zur Förderung technischer Berufe.
  7. Hobby und Selbstbau:
    • Aufbau eigener Funkstationen und Antennen.
    • Testen und Optimieren von Sende- und Empfangstechniken.

Digitale Betriebsarten im Amateurfunk

Durch die Digitalisierung hat sich der Amateurfunk stark weiterentwickelt. Neben klassischen analogen Übertragungsmethoden gibt es heute zahlreiche digitale Betriebsarten:

  • DMR (Digital Mobile Radio): Eine weltweit genutzte digitale Funktechnik, die klare Sprachqualität und Vernetzung ermöglicht.
  • D-STAR (Digital Smart Technologies for Amateur Radio): Entwickelt von Icom, bietet es digitale Sprach- und Datenkommunikation.
  • FT8 & FT4: Speziell für schwache Signale entwickelte Betriebsarten, die eine weltweite Kommunikation mit geringer Sendeleistung ermöglichen.
  • APRS (Automatic Packet Reporting System): Ermöglicht die Übermittlung von Positionsdaten, Nachrichten und Telemetrie.
  • PSK31: Eine digitale Betriebsart, die besonders effizient bei schwachen Signalen ist.

Diese Betriebsarten erweitern die Möglichkeiten des Amateurfunks und ermöglichen innovative Kommunikationsformen.


Die Amateurfunkprüfung und die neue N-Lizenz

Um als Funkamateur aktiv zu sein, ist eine Prüfung erforderlich. Diese wird von der zuständigen Behörde (z. B. Bundesnetzagentur in Deutschland) abgenommen und umfasst:

  1. Technik: Grundlagen der Elektrotechnik, Schaltungstechnik und Antennenbau.
  2. Betriebstechnik: Richtige Nutzung von Frequenzen, Betriebsarten und Protokollen.
  3. Gesetzeskunde: Vorschriften zum Frequenzbereich, internationalen Regelungen und Funkdisziplin.

Eine Neuerung im Amateurfunk ist die N-Lizenz (Neueinsteiger-Lizenz), die den Einstieg erleichtert. Sie bietet:

  • Vereinfachte Prüfung mit reduzierten technischen Anforderungen.
  • Zugang zu bestimmten Frequenzbereichen mit begrenzter Sendeleistung.
  • Eine gute Möglichkeit, erste Erfahrungen im Amateurfunk zu sammeln, bevor man zur höheren Klasse aufsteigt.

Nach Bestehen der Prüfung erhält man ein Amateurfunkrufzeichen und darf die zugewiesenen Frequenzen nutzen.